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Alle Fremdsprachen sind fremd, aber manche sind fremder 

 April 21, 2021

By  Said Rezek

Sprachen wie Englisch und Spanisch gelten in Deutschland als wertvoll, während türkisch und arabisch häufig als Integrationshindernis wahrgenommen werden. Das muss sich ändern, denn jede Sprache bringt in einer Einwanderungsgesellschaft und globalisierten Welt Vorteile mit sich.   

Eine Drittklässlerin bekam eine Strafarbeit, weil sie mit einer Freundin in der Pause Türkisch gesprochen hat. Die Grundschülerin ist von einer Lehrerin aufgefordert worden, eine halbseitige Arbeit mit dem Thema „Warum wir in der Schule Deutsch sprechen!“ zu schreiben. Dies geschah im Jahr 2020 in der Schwarzwaldregion. Ob die beiden Schülerinnen auch ermahnt worden wären, wenn sie sich auf englisch oder französisch unterhalten hätten? Wahrscheinlich nicht, denn Fremdsprache ist nicht gleich Fremdsprache.

Mehrsprachigkeit muss stärker wertgeschätzt werden!

So gelten Englisch, Französisch, Spanisch weitestgehend als angesehene und karrierefördernde Sprachen. Dies spiegelt sich beispielsweise auch in den Lehrplänen von der Schule bis hin zur Universität wider. Auf der anderen Seite werden Sprachen wie Arabisch, Persisch oder Türkisch häufig als Integrationshemmnis wahrgenommen und problematisiert. Das muss sich ändern!

Wir müssen in Deutschland allen Fremdsprachen mehr Wertschätzung entgegenbringen, sie als kulturelle Bereicherung  begreifen und den Sprechenden mehr Anerkennung entgegenbringen. Es kann nicht sein, dass Menschen mit Migrationsgeschichte häufig nicht als zweisprachig wahrgenommen werden, obwohl sie eine weitere Sprache sprechen. Dabei gehen in einer globalisierten Welt mit mehr Sprachkenntnissen auch Vorteile auf dem Arbeitsmarkt einher.

Muttersprache ist identitätsstiftend

Zudem kann für Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund die Herkunftssprache identitätsstiftend sein. Dies brachte die deutsch-türkische Journalistin Merve Kayikci in ihrem Podcast „Primamuslima“ auf dem Punkt: „Die Sprache meiner Großeltern zu lernen, hat mir gezeigt, wie viel kultureller und intellektueller Reichtum im Türkischen steckt und mir mehr Selbstwert gegeben, was meine Herkunft betrifft.“

Dieses Selbstbewusstsein ist viel wert und das möchte ich gerne auch meinen zwei Kindern weitergeben. Meine Eltern stammen aus dem Libanon und ich spreche weitestgehend arabisch mit dem Nachwuchs, während meine Frau auf deutsch mit ihnen kommuniziert. So werden unsere Kinder im Idealfall zweisprachig aufwachsen. Dazu sollte auch das deutsche Bildungssystem einen größeren Beitrag leisten, indem eben nicht nur die üblichen Sprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch in den Lehrplänen stehen. Das gilt vor allem für Sprachen, die aufgrund der Einwanderung in Deutschland relativ weit verbreitet sind, wie beispielsweise türkisch, polnisch, arabisch oder russisch.  

Foto: Rawpixel

Said Rezek


Said Rezek ist Politikwissenschaftler, Trainer und freier Journalist. Er schreibt insbesondere über Medien, Muslime, Migration und Rassismus – unter anderem für die „taz“, den „NDR“ und „MIGAZIN“. Said Rezek ist Autor des Buches Bloggen gegen Rassismus - Holen wir uns das Netz zurück. Außerdem bietet er bundesweit Blogger-Workshops gegen Rassismus und Hate Speech sowie für Medienkompetenz und Demokratieförderung an.

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